WAS IST HUMAN CENTRIC LIGHTING?
MEHR WOHLBEFINDEN DURCH GANZHEITLICHE BELEUCHTUNG

Human Centric Lighting

Büros mit wenig Tageslicht, dunkle Besprechungsräume oder Kunstlicht bis spät in die Nacht: durch die moderne Gesellschaft entfernen wir Menschen uns immer mehr von den natürlichen Gewohnheiten. Dabei ist vor allem Tageslicht einer der wichtigsten Treibstoffe für unseren biologischen Rhythmus. Ein Mangel daran kann zu ernsthaften Störungen unserer Tag-Nacht-Rhythmik und Antriebslosigkeit am Tag führen. „Human Centric Lighting“ – kurz „HCL“ – steht für ein modernes Konzept der Beleuchtung, welches den Menschen als Mittelpunkt sieht und sich dadurch positiv auf den Allgemeinzustand und die Gesundheit auswirken soll. In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema HCL.

Warum ist Licht für den Menschen so wichtig?
Licht ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Stimmungsaufheller“: Abhängig von der aufgenommenen Lichtmenge fühlen wir uns entweder energiegeladen oder antriebslos. Die Beleuchtungsstärke des Lichtes wird in Lux angegeben. Im Freien, bei bestem Sommerwetter wirkt diese mit bis zu 100.000 Lux auf unseren Körper, und mit durchschnittlich 3.500 Lux fällt sie selbst in den Wintermonaten noch recht hoch aus. Zudem verbringen wir unser Leben zu rund 90% im Innenbereich bei künstlicher Beleuchtung.

Wie kann HCL eingesetzt werden?
Das Ziel von HCL orientiert sich an Tageslicht-Aspekten und bringt diese über eine integrierende Lichtplanung zum Nutzer. So soll nicht nur die Ausführung von visuellen Aufgaben mit bester Lichtqualität unterstützt, sondern auch unser natürlicher Rhythmus und unsere Aktivität weitestgehend aufrechterhalten werden. Das Konzept des Human Centric Lighting unterscheidet dabei zwischen vier Einsatzmöglichkeiten:

  • Stabilisierung des circadianen Rhythmus: Durch die Berücksichtigung der melanopischen Wirksamkeit des Lichts (melanopisch = das Photopigment Melanopsin anregend und damit über das Auge auf das nicht-visuelle System wirkend) wird gezielt Beleuchtung eingesetzt, die in ihrer Intensität und Lichtfarbe entsprechend dem natürlichen Tageslicht variiert, wodurch eine Unterstützung des Schlaf-Wach-Rhythmus und eine positive Auswirkung auf Erhalt und Stabilisierung von Wohlbefinden und Gesundheit erreicht wird.
  • Aktivierung und Antrieb: Mit dem richtigen Licht lassen sich eine signifikante Verbesserung der Leistungsfähigkeit sowie eine Steigerung von Konzentrations und Aufmerksamkeit erzielen. Kalte Lichtfarben besitzen dabei eine aktivierende Wirkung.
  • Erholung und Entspannung für den Abend, aber auch für Ruhezeiten am Tag wird durch warmes Licht gefördert.
  • Wecken von Emotionen: Licht kann auch positive Gefühle unterstützen. Gut gestaltete Beleuchtung schafft unterschiedliche Atmosphären, die unter anderem ein Gefühl der Begeisterung oder der Zufriedenheit auslösen können.

Was sind die Voraussetzungen für HCL und biologisch wirksames Licht?
Um mit Hilfe von HCL die gewünschte Wirkung zu erzielen, muss das Konzept einige besondere Voraussetzungen erfüllen.

  • Die Beleuchtung ist in ihrer Intensität und Lichtfarbe veränderlich und orientiert sich in ihrem Verlauf automatisch am den natürlichen Tageslichtverlauf. Damit wirkt sie positiv auf die Stabilität der inneren Uhr.
  • Die Aktivierung durch helles Licht mit hoher melanopischer Wirkung sollte nur am Tage eingesetzt werden, damit nicht gleichzeitig ein negativer Einfluss auf den circadianen Rhythmus erfolgt.
  • Den Nutzern sollte es möglich sein, abweichend von vorgegebenen dynamischen Abläufen und Lichtszenen, die Beleuchtung in bestimmten Grenzen an eigene Bedürfnisse anzupassen. Auch dabei sollte beachtet werden, dass die Veränderungen durch den Nutzer nicht im Widerspruch zu den oben genannten Punkten stehen.
  • Die Lichtquellen sollten so im Raum verteilt werden, dass sowohl die physiologischen Anforderungen hinsichtlich einer guten Sehqualität erfüllt werden, gleichzeitig aber auch mehr Licht auf die lichtempfindlichen Rezeptoren des biologischen Systems im Auge trifft. Dies bedeutet höhere Indirektanteile im Licht über Aufhellung von Wänden und Decken.

Im Allgemeinen ist ein HCL Konzept gemeinsam mit dem Nutzer zu besprechen und zu planen.

Wie wird Human Centric Lighting technisch umgesetzt?
Damit ein HCL-System wirksam funktionieren kann, werden an die verwendenden Komponenten einige spezifische Anforderungen gestellt. Beispielsweise muss die Beleuchtungsanlage in der Lage sein, Licht zu erzeugen, welches hinsichtlich seiner Intensität und Farbtemperatur stufenlos eingestellt werden kann. Dafür gibt es zusätzliche Steuertechnik (z. B. Lichtmanagementsysteme und Sensoren), welche die Einstellungen an den Leuchten automatisch vornimmt.

Bei komplexen Beleuchtungsinstallation müssen dynamische Lichtabläufe oder umfassende Lichtszenarien für ganze Stockwerke oder Gebäudeteile oder verschiedene funktionale Bereiche programmiert und in Betrieb genommen werden.

Für kleinere Systeme, wie überschaubare Büros oder Besprechungsräume gibt es auch „vorkonfektionierte“ Systeme, die bereits eine am Tageslichtverlauf orientierte Lichtdynamik vorprogrammiert haben und einfach in Betrieb genommen werden können.

Die Nutzer müssen über die Funktion und Bedienung der Anlage informiert werden. Ein Aspekt, der manchmal außer Acht gelassen wird ist auch die regelmäßige Wartung und Prüfung der Anlage während der Nutzungsdauer. Da HCL auf dem „richtigen Licht zur richtigen Zeit“ beruht, bedeutet eine korrekte Funktion mehr als dass man das Licht noch einschalten kann. Selbst wenn einige Nutzer bemerken würden, wenn etwas mit der Beleuchtung nicht stimmt, sollten wesentliche Funktionen doch regelmäßig geprüft werden.