Glossar

GLOSSAR
FACHBEGRIFFE ZUM THEMA HUMAN CENTRIC LIGHTING

Das Glossar und die Abkürzungsliste sind als Hilfe zum Verständnis von Begriffen aus verschiedenen Disziplinen im Thema der Beleuchtung und insbesondere der nicht-visuellen Wirkungen von Licht auf den Menschen gedacht. Die Erklärungen haben keinen Anspruch auf einen Definitionscharakter und sind zum Teil vereinfacht dargestellt.

Adaptation: Anpassung der Augenempfindlichkeit an die Leuchtdichten im Gesichtsfeld. Erfolgt durch Größenänderung der Pupille und durch biochemische Prozesse in der Netzhaut.

Adrenalin: Hormon mit anregender Wirkung (z. B. auf Herz, Kreislauf und Atmung); wird im Kern der Nebenniere erzeugt. Hauptsächlich am Tage und bei Stress wirksam.

Agitation: Zustand gesteigerter körperlicher Unruhe und Erregbarkeit, tritt z. B. in Zusammenhang mit Depression und Demenz auf.

Akkomodation: Die Anpassung der Brennweite des Auges zum Nah- oder Fernsehen. Die Linsenkrümmung ändert sich durch Kontraktion/Erschlaffung des Ziliarmuskels.

Aktionsspektrum = Wirkungsspektrum: Spektrale Empfindlichkeit für eine durch Licht oder optische Strahlung ausgelöste Wirkung. Das Aktionsspektrum für die Hellempfindlichkeit des Auges beim Sehen ist die V(λ)-Kurve. Seit 2014 wird die Empfindlichkeit des Photopigments Melanopsin für Anregung durch Licht als „melanopisches“ Wirkungsspektrum für nicht-visuelle Wirkungen verwendet. Man geht heute davon aus, dass auch die anderen biologischen Wirkungen von Licht im Wesentlichen diesem Aktionsspektrum folgen. Details dazu siehe dazu DIN SPEC 5031-100.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Schädigung der Netzhaut mit Verlust der Sehfähigkeit in der Sehgrube mit zunehmendem Alter. Die Ursachen sind bisher noch ungeklärt, neben einer genetischen Prädisposition und verhaltensbezogenen Ursachen (z.B. Rauchen) werden dauerhaft hohe Leuchtdichten kurzwelliger sichtbarer Strahlung diskutiert.

Alzheimer-Krankheit: Häufigste Form der Demenz, geht mit einer fortschreitenden Abnahme des Gehirnvolumens einher.

Antioxidans: Stoff der eine Oxidation (chemische Veränderung durch Übertragung von Elektronen) verhindert. „Schutzsubstanz“.

Aufgabengebiet: Hier: Sehaufgabe, Teil des Arbeitsplatzes, auf dem sich die visuelle Aufgabe abspielt.

Autonomes Nervensystem: Nervensystem, das die unwillkürlichen Körperfunktionen (z. B. Herz- oder Atemfrequenz) steuert. Syn. vegetatives Nervensystem.

Beleuchtungsstärke E: Einheit: Lux [lx]. Die Beleuchtungsstärke E gibt das Verhältnis des auffallenden Lichtstroms zur beleuchteten Fläche an. Die Beleuchtungsstärke beträgt 1 lx, wenn ein Lichtstrom von 1 lm auf eine Fläche von 1 m2 gleichmäßig auftrifft.

„Biologische Dunkelheit“: Begriff der symbolisiert, dass Licht für visuelle Aufgaben ausreichend sein kann, jedoch kaum nicht-visuelle Wirkungen hervorruft.

Biologische Uhr: Innere Uhr von Organismen mit einem genetisch fixierten vorgegebenen Lauf. Befindet sich beim Menschen u.a. im suprachiasmatischen Kern im Gehirn und kann durch äußere Einflüsse (besonders Lichtphasen) verändert werden.

Biorhythmus: Unspezifischer Begriff für einen natürlichen Rhythmus biologischer Zyklen bei Organismen. Der Begriff wird oft in esoterischem Kontext gebraucht und sollte daher im wissenschaftlichen Sprachgebrauch vermieden werden. Besser ist „biologischer Rhythmus“. Wird oft auch als Synonym für circadianer Rhythmus gebraucht.

Blaulichtschaden (BLH, blue light hazard): Gefahr für irreversible photochemische Schädigung von Photorezeptoren in der Netzhaut durch hohe Strahldichten von kurzwelliger optischer Strahlung (Bereich von UV - ~500 nm). BLH spielt im Bereich der Allgemeinbeleuchtung mit LED keine Rolle, kann aber in manchen Arbeitsumgebungen (z.B. sehr helle Prüfplätze oder für Schauspieler und Musiker auf der Bühne) kritisch sein.

Candela (Cd): Einheit der -> Lichtstärke. 1 cd = 1 lm/sr. Der je Raumwinkeleinheit ausgestrahlte Lichtstrom. Eine Kerze hat typisch 1 cd, eine Glühlampe ~ 50 cd, eine moderne 1W, 1-chip LED ~ 100 cd, die Sonne ~ 3*1027 cd.

Cardiovasculär: Bezieht sich auf das Herz und Kreislaufsystem.

Chiasma (opticum): Kreuzung der Sehnerven im Gehirn.

Chloropic: Bezieht sich auf die Absorption des Photopigments im grünempfindlichen Sehzapfens in der Netzhaut mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei λmax 534 nm. Chloropic lux entpricht einer mit der entsprechenden Absorptionskurve bewerteten Beleuchtungsstärke. Der Begriff sollte nicht verwendet werden, da er keine zulässige SI-Einheit darstellt.

Chronobiologie: Lehre von zeitlichen Zusammenhängen in der Biologie, oft mit Schwerpunkt auf biologischen Rhythmen.

Circadian: Umfasst eine Dauer von ungefähr 24 Stunden.

Circadianer Rhythmus: Ein biologischer Rhythmus mit einer Periode von etwa 24 Std. (Lateinisch: circa = ungefähr, dies = Tag), wie z. B. der Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen. Licht ist bei uns der wichtigste Zeitgeber für den circadianen Rhythmus. Die Schreibweise „circadian“ ist in der deutschsprachigen Fachliteratur üblich (Duden: zirkadian).

Circalunar: Umfasst eine Dauer von ungefähr einem Monat, z.B. weiblicher Menstruationszyklus.

Circannuell: Umfasst eine Dauer von ungefähr einem Jahr, z.B. jahreszeitliche Rhythmen, Pflanzenwachstum, Fruchtbarkeitszyklen bei vielen Tieren.

Circaseptal: Umfasst eine Dauer von ungefähr einer Woche. Kommt in der Natur nicht vor. Z.B. „jour-fixe“ bei Projektteams.

Cortisol (Hydrocortison): Hormon mit anregender Wirkung auf verschiedene Körperfunktionen. Aktiv im Wesentllichen am Tag und bei Stress.

Chloropisch: Bezieht sich auf die Absorption des Photopigments im grünempfindlichen Sehzapfen in der Netzhaut mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei λmax=545 nm. Nicht länger in Verwendung; dafür sollte der Begriff „M-cone-opisch“ verwendet werden.

Cyanopisch: Bezieht sich auf die Absorption des Photopigments im blauempfindlichen Sehzapfen in der Netzhaut mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei λmax=420 nm. Nicht länger in Verwendung; dafür sollte der Begriff: „S-cone-opisch“ verwendet werden.

Dämmerungssimulation: Nachempfindung des langsamen natürlichen Lichtabfalls vor und während des Sonnenuntergangs mit künstlichem Licht. Wird u. A. in der Therapie von Depressionen eingesetzt.

Demenz: Krankhafte Form des Nachlassens geistiger Fähigkeit, zumeist bei älteren Menschen, zurückzuführen auf Abbauprozesse im Gehirn (Alzheimer Demenz) oder mangelhafte Durchblutung (vaskuläre Demenz).

Depression: Gedrückte Stimmung in ihrer krankhaften Form, bedarf der Therapie.

Dritter Photorezeptor (lichtempfindliche retinale Ganglienzellen, ipRGC): Sinneszellen im menschlichen Auge, die Informationen über die Helligkeit in das Zentralnervensystem vermitteln. Weitere Photorezeptoren im Auge sind die Stäbchen und Zapfen, die das bildhafte Sehen ermöglichen. Die ipRGC enthalten das Pigment Melanopsin mit einer Empfindlichkeit im blauen Spektralbereich und vermitteln die Helligkeitsinformation an den SCN und die Zirbeldrüse. Sie beeinflussen so die innere Uhr und die Produktion und Ausschüttung des Hormons Melatonin. Daneben beeinflussen sie die Aktivität in Gehirnbereichen, die für Leistungsfähigkeit, Konzentration und andere geistige Fähigkeiten zuständig sind. Die Lichtempfindlichkeit der retinalen Ganglienzellen ist etwa um den Faktor 100 niedriger als die der für das Farbsehen verantwortlichen Zapfen.

Elektroenzephalogramm (EEG): Registrierung der elektrischen Aktivität der Gehirnrinde.

Endokrine Drüse: Drüse, die ihr Produkt (z. B. ein Hormon) in die Blutbahn abgibt.

Endogen: Im Organismus entstanden, nicht durch Umgebungsfaktoren verursacht.

Epiphyse (Zirbeldrüse, Pinealorgan, med. Corpus pineale): Endokrine Drüse zwischen dem Groß- und Kleinhirn. Erzeugt das Hormon Melatonin, das bei Dunkelheit ins Blut ausgeschüttet wird.

Erythropisch: Bezieht sich auf die Absorption des Photopigments im rotempfindlichen Sehzapfen in der Netzhaut mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei λmax=564 nm. Nicht länger in Verwendung; dafür sollte der Begriff “ L-cone-opisch“ verwendet werden.

Farbtemperatur: Kelvin [K]. Eigentlich „ähnlichste Farbtemperatur“. Lichtfarbe einer Lichtquelle, im Vergleich zur Farbe des Lichts, die ein schwarzer Körper einer bestimmten Temperatur ausstrahlt. Farbtemperaturen werden üblicherweise nur für „weiße“ Lichtquellen angegeben, d. h. wenn der Farbort in der Nähe der Planck’schen Kurve liegt. Entspricht der Temperatur des schwarzen Strahlers, der beim Menschen den gleichen Farbeindruck hervorruft wie die bewertete Lichtquelle.

Farbwiedergabe: Fähigkeit einer Lichtquelle, Farben von Objekten korrekt wiederzugeben (wie bei natürlichem Tageslicht). Der Farbwiedergabe-Index (Ra-Wert) bezeichnet das Maß der Übereinstimmung von Körperfarben in ihrem Aussehen gegenüber Bezugslichtquellen. Eine Lichtquelle mit Ra = 100 zeigt alle Farben wie unter der Bezugslichtquelle optimal. Je niedriger der Ra-Wert ist, umso weniger gut werden die Farben wiedergegeben. Für Farbtemperaturen unter 5000 K wird ein Schwarzkörperstrahler gleicher Farbtemperatur als Referenz genommen, für höhere Farbtemperaturen das Spektrum der entsprechenden Tageslichtphase.

Freilauf-Periode: Endogener Rhythmus der inneren Uhr ohne äußere Synchronisation. Beim circadianen Rhythmus des Menschen liegt die individuell genetisch vorgegebene Periodendauer bei etwa 24 bis 24,5 Stunden, wobei es auch erhebliche individuelle Unterschiede gibt.

Ganglienzelle: Nervenzelle in einem Ganglion (Nervenzellknoten), die Signale verarbeitet und überträgt. Im Zusammenhang mit der biologischen Wirkung von Licht sind insbesondere die in der Netzhaut liegenden retinalen Ganglienzellen von Bedeutung. Neben ihre Funktion in der Verarbeitung der Information aus den visuellen Rezeptoren – den Zapfen und Stäbchen –sind etwa 2–3 % der retinalen Ganglienzellen selbst lichtempfindlich im Blauen.

Geniculohypothalamischer Trakt (GHT): Nervenverbindung zwischen dem suprachiasmatischen Kern und dem s. g. ,Intergeniculate Leaflet' (IGL). Verbindet den Augennerv mit der nicht-bilderzeugenden Nervenbahn.

Gesichtsfeld: Bereich aus der Umwelt, der vor den Augen liegt und ohne Augenbewegung auf die Netzhaut abgebildet werden kann. Das Gesichtsfeld eines Auges wird durch Größe und optische Eigenschaften der Bauteile des Auges (Hornhaut, Linse, Iris, Glaskörper) und den Besatz der Netzhaut mit Sehzellen (Zapfen und Stäbchen) begrenzt.

Glaskörper: Durchsichtiger, Gel-gefüllter kugelförmiger Bereich im Augapfel als Teil des dioptrischen Apparates zwischen Augenlinse und Netzhaut.

Halbwertsbreite: Einer Spektrallinie oder Emissionsbande in der Emission einer Lichtquelle. Breite der Linie in nm an der Stelle von 50 % der maximalen Höhe. Liegt bei einfarbigen LED typisch im Bereich um 20-30 nm.

Harvard-Protokoll: Rechenmodell zur Bestimmung der Phasenverschiebung der biologischen Uhr auf der Grundlage von zeitlicher Regulierung, Dauer und Beleuchtungsstärke.

Hormonzyklus: Regelmäßiger und rhythmischer Wechsel in der Produktion und Ausschüttung von Hormonen. Meist ein circadianer oder circalunarer Modus.

Human Centric Lighting: Lichtkonzept, welches die menschlichen Bedürfnisse an Licht in das Zentrum der Planung von Beleuchtungsanlagen setzt. Berücksichtigt nicht nur die biologischen Wirkungen des Lichts, sondern stellt sicher, dass auch gutes Sehen und emotionale Ansprüche erfüllt werden.

Hypophyse: Endokrine Drüse im Gehirn die verschiedene wichtige Hormone produziert, darunter ACTH, das die Nebennierenrinde zur Produktion von Cortisol anregt.

Hypothalamus: Gebiet im Zwischenhirn, in dem sich der suprachiasmatische Kern (SCN) befindet.

Infradian: Umfasst eine Dauer von mehr als 24 Stunden. Alle Rhythmen, die länger als einen Tag dauern.

Innere Uhr: Auch biologische oder physiologische Uhr genannt. Die innere Uhr ist der zentrale Teil des Timing-Systems. Ihr Lauf ist genetisch vorgegeben, wird aber im Wesentlichen durch den SCN gesteuert und damit maßgeblich durch Licht beeinflusst. Licht ist somit der wichtigste Zeitgeber für die innere Uhr, es synchronisiert die innere Uhr mit dem äußeren Tag. Der Stand der inneren Uhr, d. h. die Phase der biologischen Uhr, ist die Summe aus der Überlagerung aller körpereigenen circadianen Rhythmen. Die Phase kann weitgehend aus dem Verlauf des Melatoninspiegels erschlossen werden.

ipRGC: Intrinsisch photosensitive retinale Ganglienzellen. Ganglienzellen in der Netzhaut, die den lichtempfindlichen Farbstoff Melanopsin enthalten und daher selbst lichtempfindlich für blaues Licht sind.

Karolinska Schlaf Skala (KSS – Karolinska Sleepiness Scale): Etablierte Skala zur Beurteilung der Schläfrigkeit, eingeteilt in 9 Stufen. Wird häufig in Lichtstudien verwendet, um den Einfluss von Licht auf Müdigkeit und Aufmerksamkeit zu bewerten.

Kognitiv: Bezieht sich auf verschiedene Formen der geistigen Leistung.

L

Leuchtdichte L Einheit: Candela pro Quadratmeter [cd/m2]. Die Leuchtdichte L einer Lichtquelle oder einer beleuchteten Fläche ist maßgebend für den wahrgenommenen Helligkeitseindruck.

Leuchtdiode (LED, Light Emitting Diode): Licht erzeugender Halbleiter. Der Halbleiter emittiert nahezu monochromatisches Licht in einem schmalbandigen Wellenlängenbereich von 5-50nm. In LEDs mit breitbandigen Emissionsspektren (z.B. weiße LEDs) wird ein Teil des vom Halbleiter emittierten Lichts durch einen Leuchtstoff in längere Wellenlängen konvertiert – ähnlich wie dies bei Leuchtstofflampen geschieht.

Leucoderma: fehlende Pigmentierung der Haut aufgrund vorheriger entzündlicher Hautreaktionen, die Haut reagiert daher besonders auf optische Strahlung (wichtig für Therapie und Schutz).

Lichtausbeute η: Einheit: Lumen pro Watt [lm/W]. Die Lichtausbeute η gibt an, wie effizient die aufgenommene elektrische Leistung in sichtbares Licht umgesetzt wird.

Lichtfarbe: Die Lichtfarbe von Lampen wird sehr gut durch die Farbtemperatur beschrieben. Trotz gleicher Lichtfarbe können Lampen auf Grund der spektralen Zusammensetzung ihres Lichts sehr unterschiedliche Farbwiedergabe- Eigenschaften haben. Auch verschiedene Spektralverteilungen können die gleiche Lichtfarbe haben und sogar den gleichen Farbeindruck hervorrufen (Metamerie).

Lichtstärke I Einheit: Candela [cd]. Eine Lichtquelle strahlt ihren Lichtstrom F im Allgemeinen in verschiedenen Richtungen unterschiedlich stark ab. Die Lichtstärke bezeichnet den in eine bestimmte Raumrichtung (Raumwinkel Ω, Einheit sr) abgestrahlten Lichtstrom. 1cd = 1 lm/sr

Lichtstrom F Einheit: Lumen [lm]. Als Lichtstrom F bezeichnet man die gesamte von der Lichtquelle abgegebene Strahlungsleistung, die mit der spektralen Augenempfindlichkeit und dem photometrischen Strahlungsäquivalent km = 683 lm/W bewertet ist.

Lichttherapie: Bestrahlung von Patienten mit intensivem Licht zur Behandlung von Krankheiten - insbesondere Depressionen. Dabei kommen Beleuchtungsstärken von fünf bis zehntausend Lux zum Einsatz. Lichttherapie wirkt über die Augen.

Lipofuszin Bildet sich als Abbauprodukt des Fettstoffwechsels und reichert sich insbesondere bei äteren Menschen im retinalen Bereich an. L. wird durch blaues Licht gespalten und bildet Stoffe, welche die Photorezeptorzellen in der Netzhaut schädigen können. L. gilt als möglicher Auslöser oder Förderer der AMD.

Lumen (lm): Einheit des -> Lichtstroms

Lupus (L. vulgaris, L. erythematodes): Chronische Hauterkrankungen (Hauttuberkulosen), erzeugen oft eine besondere Empfindlichkeit gegenüber optischer Strahlung (wichtig für Therapie und Schutz).

Lux (lx): Einheit der -> Beleuchtungsstärke. 1 lx = 1lm/m2.

Melanopisch: Bewertet mit der spektralen Empfindlichkeit des Photopigments Melanopsin.

Melanopsin: Photopigment, das für die Lichtempfindlichkeit der retinalen Ganglienzellen verantwortlich ist. Seine Empfindlichkeit ist als Wirkungsspektrum für die nicht-visuelle Wirkungen von Licht definiert, mit einem Maximum bei 485 nm.

Melatonin (-unterdrückung): Melatonin ist das wichtigste Hormon der Zirbeldrüse und wirkt als das körpereigene Signal für die nächtliche Dunkelphase. Es wird beim Menschen oft als „Schlafhormon“ bezeichnet. Melatonin wird in der Zirbeldrüse kontinuierlich aus Serotonin gewonnen und gespeichert, aber nur bei Dunkelheit freigesetzt. Durch Licht erfolgt eine Unterdrückung der Melatoninausschüttung ins Blut. Wird kein Melatonin freigesetzt, so sinkt durch Abbauprozesse der im Blut enthaltene Melatoninspiegel. Da Melatonin der wichtigste nach außen messbare Marker für die circadiane Phase der inneren Uhr ist, wird die melatoninunterdrückende Wirkung im Allgemeinen gleichgesetzt mit der circadianen Wirkung, d.h. der biologischen Wirkung von Licht auf die innere Uhr. Licht, das nachts Melatonin unterdrücken kann, kann am Tag auch aktivierende oder andere biologische Wirkungen haben.

Metabolismus: Stoffwechsel.

Mesopisches Sehen: Sehvorgang bei niedrigen Leuchtdichten, die zwischen photopischem und skotopischem Sehen liegen. Ist relevant in der Dämmerung, bei Straßenbeleuchtung, Beleuchtung durch KFZ-Scheinwerfer und ähnlichen niedrigen Beleuchtungsstärken.

Minimale Erythemdosis (MED):1 MED ist die minimale Bestrahlungsdosis an UV-B-Strahlung, die eine eindeutig abgegrenzte Hautrötung (beginnender Sonnenbrand) erzeugen kann. Die MED ist abhängig vom Hauttyp. Bei Hauttyp I entspricht 1 MED ca. 150-300 J/m2, bei Hauttyp IV ca. 450-600 J/m2. Im gleichen Spektralbereich wie die Hautrötung durch UV-B liegt auch die Wirkung von Strahlung auf die Erzeugung von Vitamin-D. Deutlich weniger als 1 MED auf der Haut von Gesicht, Armen und Händen reicht aus die täglich erforderliche Vitamin-D-Dosis zu erzeugen. Gleichzeitig erhöht UV-B Strahlung im gleichen Spektralbereich auch das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs. Daher kann keine eindeutige und allgemein gültige Dosis empfohlen werden, bei der die positive Wirkung auf Vitamin-D eindeutig das Risiko für Hautkrebs überwiegt.

Monochromatisches Licht: Licht von nur einer Wellenlänge (idealisiert) oder mit einer sehr schmalen spektralen Bandbreite. Erzeugt den Farbeindruck einer sehr gesättigten Farbe beim Menschen.

Nachmittagstief: Periode der Müdigkeit und gesenkten Konzentration zu Anfang des Nachmittags.

Nebennierenrinde: Drüsengewebe das Hormone produziert, darunter Cortisol.

Netzhaut: siehe -> Retina

Neuroendokrines System: Informationssystem des Körpers bestehend aus Nervensystem und Hormonhaushalt.

Nicht-bilderzeugende Wirkungen (NIF effects, Non Image Forming effects): Nicht-visuelle Lichtwirkungen, die über melanopsinhaltige Ganglienzellen im Auge vermittelt werden, die zwar von der äußeren Helligkeit und der Lichtfarbe abhängen, aber kein Abbild der Umgebung in das Zentralnervensystem vermitteln.

Okulares Licht: Licht, das über die Augen aufgenommen wird und auf die Netzhaut fällt.

Paraventrikularer Kern (PVN): Gruppe von Nervenzellen, die unter Einfluss des SCN die Zirbeldrüse und Hypophyse ansteuert.

Pflegeheim: Einrichtung für Menschen, die Hilfe im täglichen Leben brauchen, meist für ältere Menschen.

Photobiologische Effekte: Wirkungen von (nicht ionisierender) optischer Strahlung im biologischen Gewebe. Der Sehvorgang wird i. A. nicht als photobiologischer Vorgang bezeichnet. Unter vielen anderen gehören beim Menschen Wirkungen wie Hautrötung durch UV-Strahlung, oder Risiken für Augenschäden durch Strahlung dazu. Aber auch die abtötende Wirkung von UV-Strahlung auf Bakterien ist ein photobiologischer Effekt, der z.B. bei der Wasserreinigung genutzt wird.

Photochemotherapie (PUVA Therapie): Behandlungsform mit pharmakologischer und Strahlentherapie, dabei sensibilisieren die chemischen Agenzien die Haut (oder können durch die Strahlung in eine wirksame Form gebracht werden).

Photopisches Sehen: Sehen v. A. mit den Zapfen im Auge. Dafür werden mittlere Leuchtdichten von mindestens 3,5 cd/m2 benötigt. Bei niedrigeren Leuchtdichten schließt sich zunächst das --> mesopische Sehen an, danach das --> skotopische.

Photorezeptoren: Lichtempfindliche Sinneszellen, die auf sie treffende Lichtquanten (Photonen) in Nervensignale umwandeln. Die Photorezeptoren in der Netzhaut des menschlichen Auges heißen Zapfen, Stäbchen und melanopsinhaltige Ganglienzellen. Die Zapfen sind für das Sehen von Farben und Helligkeit verantwortlich. Ihre höchste Dichte ist im Augenzentrum, dem so genannten gelben Fleck. Hier ist der Netzhautbereich, der die höchste räumliche Auflösung bereitstellt. Die Stäbchen sind für das Sehen in der Dämmerung zuständig und haben eine höhere Empfindlichkeit als die Zapfen. Sie sind hauptsächlich im äußeren Bereich des Gesichtsfeldes zu finden.

Die melanopsinhaltigen Ganglienzellen gelten nicht als Sehzellen, da sie kein Bild in das Zentralnervensystem übermitteln, sondern lediglich die Information über Helligkeit und Lichtfarbe zur Steuerung der inneren Uhr und der Aktivität am Tag vermitteln.

Phototherapie: Behandlung bestimmter Krankheiten mit optischer Strahlung, inclusive UV- oder IR-Strahlung. Normalerweise wird die Haut bestrahlt (z. B. bei Psoriasis). Der Begriff wird üblicherweise nicht verwendet, wenn Lichttherapie gemeint ist.

Pinealorgan (Pinealdrüse): siehe -> Epiphyse.

Profile Of Mood State (POMS): Etablierte Methode zur psychologischen Beurteilung der Stimmungslage in 6 Kriterien. Kann in Lichtstudien verwendet werden um Einfluss der Beleuchtung auf Wohlbefinden zu bewerten.

Psoralene: Pharmakon zur Sensibilisierung der Haut bei Einstrahlung von UV, benutzt zur Fotochemotherapie.

Psoriasis (Schuppenflechte): Chronische Hautkrankheit mit Auftreten von weißlichen Schuppen über entzündlichen geröteten Stellen, bisher nicht heilbar aber die Behandlung mit ultravioletter Strahlung führt oft zur Linderung der Symptome.

Psychose: Schwere psychische Störung mit verschiedener Ausprägung, darunter z. B. Schizophrenie, Depressionen.

Pupillenreflex: Änderung des Pupillendurchmessers je nach Leuchtdichte.

Purkinje Effekt: Änderung der spektralen Hellempfindung bei Übergang vom photopischen zum skotopischen Sehen oder umgekehrt.

PUVA Therapie: siehe -> Photochemotherapie.

Quantenenergie: Energie eines Strahlungsteilchens, abhängig von der Wellenlänge der Strahlung. Ein blaues Photon der Wellenlänge 460 nm hat eine Energie von 4,32E-19 W, ein rotes Photon mit 780 nm, eine Energie von nur 2,54E-19W. Eine weiße LED mit 6500 K und einer elektrischen Leistung von 1W strahlt bei einem Lichtstrom von 150 lm pro Sekunde etwa 1,3E18 Photonen ab.

Retina (Netzhaut): Zellschicht in der hinteren Augenwand, welche die Sehzellen und Information verarbeitende Nervenzellen, u. a. Ganglienzellen, enthält.

Retinaler Blaulichtschaden: siehe -> Blaulichtschaden.

Retinaler thermischer Schaden (thermischer Netzhautschaden): Irreversible Schädigung der Photorezeptoren der Netzhaut durch hohe Strahldichten von Licht- oder Wärmestrahlung (400 - 1400 nm).

Retinohypothalamischer Trakt (RHT): Nervenverbindung zwischen dem Auge und dem SCN im Gehirn.

Rhodopisch: Bezieht sich auf die Absorption des Photopigments in den Stäbchen der Netzhaut mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei λ(max)=498 nm.

Saisonal abhängige Depression Bei vielen Menschen kommt es während der Wintermonate vermehrt zu Verstimmungen bis hin zur Depression. Als auslösender Faktor für den Einfluss der Jahreszeit wird die kurze Tageslichtdauer und das niedrige Lichtniveau während der „dunklen Jahreszeit“ angesehen. Als Ursache der Winterdepressionen müssen noch andere (endogene) Faktoren im Auge behalten werden. Die Therapie mit sehr hellem Licht hilft in vielen Fällen, Winterdepressionen zu behandeln. Eine seltenere Form der SAD ist die Sommerdepression.

Schleierleuchtdichte: Scheinbare Hintergrundleuchtdichte, Licht dass die Sehfähigkeit durch Streuung im dioptrischen Apparat des Auges (Kornea, Linse, Glaskörper) entsteht und die Sehfähigkeit verschlechtert. Nimmt i. A. mit dem Alter zu.

Sehnerv: Nervenverbindung zwischen Auge und Gehirn für die visuelle Wahrnehmung.

Sehrinde: siehe -> visueller Kortex.

Sehschärfe (Visus): Fähigkeit des Auges, zwei nahe Punkte noch getrennt aufzulösen. Wird typischerweise mit einer Karte mit kleiner werdenden Landolt-Ringen (Kreisform mit Lücke) gemessen.

Serotonin: Botenstoff der Signale zwischen Nervenzellen überträgt (Neurotransmitter). S. wird oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Serotonin ist das Molekül aus dem Melatonin gebildet wird. S. kann nur im Körper gebildet werden – hauptsächlich im Gehirn selbst. Helles Licht fördert die Bildung von Serotonin.

Skotopisches Sehen: Sehen bei dunklen Lichtverhältnissen, wenn nur noch die Stäbchen aktiv sind. Die mittleren Leuchtdichten müssen unter 0,035 cd/m2 liegen. Ein Farbensehen ist dann nicht mehr möglich. (Bei Nacht sind alle Katzen grau).

Sonnenaufgangssimulation: Nachempfindung des langsamen natürlichen Lichtanstiegs vor und während des Sonnenaufgangs mit künstlichem Licht. Wurde ursrpünglich in der Therapie von Depressionen eingesetzt. Hilft inzwischen als „Lichtwecker“ auch manchen Spättypen, morgens beim Wachwerden.

Spektrale Strahlungsverteilung: Als Funktion der Wellenlänge dargestellte Strahlungsleistung einer Lichtquelle. Die spektrale Strahlungsverteilung ist der Ausgangspunkt für die Bewertung der wellenabhängigen Wirkungen von Licht.

Störende Blendung: Blendung mit Beeinträchtigung der Wahrnehmung, muss aber nicht unbedingt als lästig empfunden werden.

Stroboskopischer Effekt: Wahrnehmungsstörung bei flimmerndem Licht, wobei regelmäßig wiederkehrende Ereignisse immer in der gleichen oder fast gleichen Phase belichtet werden und daher still stehend oder langsam erscheinen. Ein sogenannter „Temporal Light Artefact“, der bei Flickerfrequenzen bis 2000 Hz vorkommen kann.

Sub-SAD (Winter-Blues): Saisonal bedingte Stimmungseintrübung die nicht die Schwere Form einer saisonal abhängigen Depression (SAD) erreicht.

Suprachiasmatischer Kern (SCN): Ansammlung von einigen tausend Nervenzellen, gelegen oberhalb (supra) der Kreuzung der Sehnerven (Chiasma opticum). Gilt heute als der hauptsächliche Regulator der inneren Uhr. Jede der Nervenzellen im SCN hat eine eigene innere Uhr. Im Normalfall gehen die inneren Uhren dieser Zellen synchron und verstärken somit das Zeitgebersignal zu einem gemeinsamen starken Steuersignal für die innere Uhr.

Tageslichtsystem: Konstruktion mit der das Tageslicht weiter in ein Gebäude einstrahlen kann als durch einfache Fenster oder Öffnungen im Mauerwerk.

Tageslichtzone: Teil des Innenraums, in dem praktisch immer ausreichendes Tageslicht anwesend ist.

UGR-Methode (Unified Glare Rating): Normgerechte Methode zur quantitativen Bestimmung der Blendung einer oder mehrerer Leuchten in einem Raum. UGR < 19 wird als gut für Büroarbeitsplätze angesehen.

Ultradian: Umfasst eine Dauer von weniger als 24 Stunden. Rhythmen, die kürzer sind als ein Tag. Z.B. Nahrungsaufnahme, Ausscheidung, Atmung, Herzschlag.

Unbehagliche Blendung: Als lästig empfundene Blendung, muss nicht unbedingt die Wahrnehmung beeinträchtigen.

Visueller Kortex (Sehrinde, Sehzentrum): Am Hinterhaupt gelegener Teil des Gehirns der für die Verarbeitung der visuellen Informationen zuständig ist.

Vitamin D: Vitamin D3 oder 25(OH)D3 wird heute als Hormon gesehen. Fettlösliches Molekül, das in der Nahrung enthalten ist und vom Körper mit Hilfe von UV-B Strahlung produziert werden kann. Dient u.a. der Regulierung des Calcium-Gehalts im Blut. Ein Mangel an Vitamin D kann zu Osteoporose und Rachitis führen. Bei Mangel an direkter Sonnenstrahlung kann Vitamin D oral genommen werden (mindestens 1000 I.E. = 25µg je Tag). Bei Sonnenbestrahlung des gesamten Körpers mit einer  minimalen Erythemdosis (MED) wird etwa die 10-fache Menge produziert. Vitamin D hat vermutlich auch positive Wirkungen gegen die Entstehung von Krebs. Da aber UV-Strahlung gleichzeitig das Hautkrebsrisiko erhöht, besteht in der Fachwelt noch keine Einigkeit darüber, ob eine tägliche Sonnenbestrahlung allgemein empfohlen werden sollte.

Vitiligo: Hautkrankheit mit lokal fehlender Pigmentierung. Wird oft mit UV Strahlung oder Photochemotherapie behandelt.

Wartungsbeleuchtungsstärke: Der Mindestwert der mittleren Beleuchtungsstärke zwischen den Wartungen einer Beleuchtungsanlage (Wartungswert).

Winter-Blues: siehe --> Sub-SAD.

Winterdepression: siehe --> Saisonal abhängige Depression.

Wirkungsspektrum: siehe --> Aktionsspektrum.

Zapfen: Lichtempfindliche Sehzellen im Auge. Blau-, grün, oder rotempfindlich. S-cone, kurze Wellenlängen, blau. M-cone, mittlere Wellenlängen, grün. L-cone, lange Wellenlängen, rot. Für mehr Information siehe. unter --> Photorezeptoren.

Zeitgeber: Unter Zeitgeber (das Wort wird auch in der internationalen Fachliteratur verwendet) versteht man alle Einflussgrößen, welche die innere Uhr stellen können. Der wichtigste Zeitgeber ist Licht, welches durch das Auge über den retinohypothalamischen Trakt auf den SCN wirkt. Im SCN sitzt die zentrale innere Uhr, welche viele circadiane Rhythmen steuert. Weitere Zeitgeber sitzen z. B. in der Leber, von wo aus ebenfalls circadiane Rhythmen gesteuert werden. Daher beieinflusst auch Nahrungsaufnahme die innere Uhr.

Zirbeldrüse: siehe -> Epiphyse.